Edward de Vere

WOMAN'S CHANGEABLENESS / DER FRAUEN UNBESTÄNDIGKEIT


If women could be fair and yet not fond,
Or that their love were firm not fickle, still,
I would not marvel that they make men bond,
By service long to purchase their good will;
But when I see how frail those creatures are,
I muse that men forget themselves so far.
Wären Frauen nur einfach schön, doch nicht charmant,
Würde ihre Liebe, gelobt, nicht gleich sterben,
Was verwunderts mich, daß sie fesselnd durch das Band
Vieler Dienste um der Männer Wohlwoll′n werben;
Denn wenn ich seh, wie schwach Frauen sich gebärden,
Lache ich, daß Männer schwach darüber werden.
   
To mark the choice they make, and how they change,
How oft from Phoebus do they flee to Pan,
Unsettled still like haggards wild they range,
These gentle birds that fly from man to man;
Who would not scorn and shake them from the fist
And let them fly fair fools which way they list.
Wie sie Entschlüsse fassen und fallen lassen,
Und dann oft von Phoebus fort zu Pan hin fliehen,
Wilden Falken gleich, sie lassen sich nicht fassen,
Edle Vögel, die von Mann zu Mann hin ziehen;
Sie sein verachtet, nicht achtend ihr Gewimmer,
Soll′n sie ziehn, schöne Narren, wohin auch immer.
   
Yet for disport we fawn and flatter both,
To pass the time when nothing else can please,
And train them to our lure with subtle oath,
Till, weary of their wiles, ourselves we ease;
And then we say when we their fancy try,
To play with fools, O what a fool was I.
Doch zum Spiele schmeicheln wir und tun beiden schön,
Zur Kurzweil nur, wenn sonst uns nichts zur Lust gereicht,
Schwärmen, schwören wir, bis sie an den Köder gehn,
Und man ihrer Schliche müd′, selbst von dannen schleicht;
Dann heißts, so wir ihre Fantasie anfachen,
Das Spiel mit Narren, mußt′ mich zum Narren machen.
Henryk Gericke


Besucher: 31336 umsetzung © karsten richter